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ViCAFE bekennt Farbe. Ein Queer & A: Stimmen aus und für die LGBTQ+ Community.

Körperliche und seelische Sicherheit ist ein menschliches Grundbedürfnis. Deshalb bekennt ViCAFE Farbe gegen Hass und setzt sich für die LGBTQ+ Community ein. Menschen jeglicher Herkunft, Nationalität, Hautfarbe, Religion, sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität haben das Recht auf ein sicheres Arbeitsumfeld, in welchem sie sich wohlfühlen und entfalten können. Wir sehen es als unsere Pflicht, die Integrität jeder einzelnen Person zu schützen und gegen alle Arten von Diskriminierung, Belästigung und Mobbing vorzugehen. 

Zur diesjährigen Pride Week 2020 haben wir ein Queer & A erstellt: Stimmen aus und für die Community werden präsentiert, um mit einigen Urban-Myths und Vorurteilen aufzuräumen. Die folgenden Erlebnisse zeigen eindrücklich, warum wir immer noch gemeinsam für die Akzeptanz und Visibilität von geschlechtlicher und sexueller Vielfalt kämpfen müssen.

“Bekenne Farbe gegen Hass” – Motto der Zurich Pride 2020

Die Pride Demo 2019 unter dem Motto Strong in Diversity war eines meiner Highlights im letzten Jahr. Fast das gesamte Team hat am Umzug teilgenommen und wir haben alle gemeinsam gefeiert. Das diesjährige Motto lautet “Farbe bekennen gegen Hass”. Das dies nicht immer einfach ist, zeigt dieses Queer & A. 

Ich bin schwul, 46, CEO und Firmengründer von ViCAFE & Vivi Kola und somit beruflich komplett unabhängig. In dieser Position kann ich frei von Angst meine Werte und Rechte verteidigen und mich für diesen Blogartikel auch ohne Bedenken fotografieren lassen. Dies trauen sich traurigerweise nicht alle. Wir haben ganz wertvolle Mitarbeiter*innen aus der LGBTQ+ Community, die einen grossen Beitrag dazu leisten, firmenintern komplexe Themen zu enttabuisieren und andere Mitarbeiter*innen aufzuklären. Aus für mich nachvollziehbaren Gründen möchte ein Teil von ihnen aber in diesem öffentlich zugänglichen Artikel anonym bleiben. Ist das nicht ironisch? Sie wollen – können aber nicht voll Farbe bekennen, aus Angst vor negativen Konsequenzen in der Zukunft. Ich fühle mit ihnen und hoffe, dass sich das ganz schnell ändert. Dies zeigt mir, dass in unser Gesellschaft noch immer grosse Vorurteile und viele Ängste gegenüber LGTBQ+ Menschen bestehen. Gegen diese unterschwellige Ausgrenzung und für die Anerkennung aller Menschen will ich hier zusammen mit dem ganzen ViCAFE-Team Farbe bekennen.

Christian, CEO & Verwaltungsrat

“Du hast einen Freund? Cool. Lebt ihr in einer offenen Beziehung?”

Nein leben wir nicht und möchten dies zurzeit auch nicht. Das Vorurteil, dass homosexuelle Männer oft One-Night-Stands haben und nicht monogam leben, wird in Serien und Filmen immer wieder reproduziert. Klar gibt es queere Männer, welche in einer offenen Beziehung leben. Doch ein nicht-monogames Liebesleben kommt auch bei Paaren vor, welche in einer heterosexuellen Beziehung sind. Das heterosexuelle Patriarchat schreibt uns vor, dass Männer immer Sex wollen und Frauen zu begehren sind. Hinterfrage dieses Konstrukt kritisch und übertrage es nicht auf queere Beziehungen. Die männliche Homosexualität ist nicht nur Sex mit möglichst vielen Männern. Es geht um Liebe, Nähe, Zuneigung, gute Gespräche, lachen, geniessen und ja, auch Sex. Doch die Frage verletzt, denn schwule und bisexuelle Männer werden so schubladisiert und ihre sexuelle Orientierung wird vereinfacht. Wir sind viel mehr als nur Sex oder unsere Sexualität. Nimm uns als Personen wahr.

«Das isch ja uh schwul.»

Also was ist jetzt genau homosexuell an diesem Erlebnis, Gegen- oder Umstand? Schwul wird vor allem in der Jugendsprache oftmals als ein abwertendes Adjektiv benutzt. Dies ist extrem verletzend, denn das Schwulsein, also die männliche Homosexualität, wird damit negativ konnotiert. Gerade für ungeoutete und kürzlich geouteten Queers kann sich dies negativ auf die Persönlichkeitsentwicklung auswirken. Bitte benutze andere, nicht verletzende Wörter. Es reicht auch nicht, wenn du es «ja nicht so meinsch». Call out your friends, zum Beispiel mit dem ersten Satz dieses Abschnitts.

Fabian, Barista

«Stehst du mehr auf Männer oder mehr auf Frauen?»

Selber stelle ich mir diese Frage gar nicht. Es ist Anziehung da oder eben nicht – genau so, wie bei monosexuellen Menschen auch. Welches Geschlecht diese Person hat, spielt da eine sekundäre Rolle. Ich kann versuchen, Anziehung in Prozentangaben zu verdeutlichen oder anhand vergangener Beziehungen irgendwie einzuordnen. Damit versuche ich aber höchstens, dem Gegenüber eine befriedigende Antwort zu liefern. Und es bleibt das Gefühl zurück, dass die andere Person versucht, mich anhand der Antwort als «eher lesbisch» oder «eher hetero» einzustufen, statt Bisexualität als eigenständige Sexualität anzunehmen. Das hat vermutlich damit zu tun, dass Bisexualität leider sehr oft unsichtbar gemacht wird. Bisexuelle Frauen, die in einer Beziehung mit einem Mann sind, werden meist als heterosexuell gelesen, und Frauen, die mit Frauen zusammen sind, automatisch als lesbisch. Es ist deshalb wichtig, Bisexualität sichtbar zu machen und nicht als «Phase» oder ähnliches abzutun.

«Wer ist der Mann und wer die Frau in der Beziehung?»

Wir sind zwei Frauen – und unsere Persönlichkeiten lassen sich nicht in stereotype Rollenbilder einordnen. Die Frage richtet sich immer einer heterosexuellen Beziehung aus und lässt mich spüren, dass diese als erstrebenswerte Norm angesehen wird. Das kann ganz schön frustrierend sein, denn mein Gegenüber weiss ja eigentlich: das sind zwei Frauen. Die Frage sagt eigentlich viel mehr darüber aus, wie unsere Gesellschaft «Männlichkeit» und «Weiblichkeit» definiert und dass diese Definitionen auch immer beinhalten: Eigentlich sollte man nur das andere Geschlecht lieben.

Ich stelle dann meist mehrere Gegenfragen. «Wie sieht es denn in eurer Beziehung aus?» oder «Was genau macht dich zum Mann/zur Frau in der Beziehung?» Im besten Fall reflektiert mein Gegenüber, weshalb sich diese Frage überhaupt aufdrängte.

Sina, Barista

 

«Fehlt dir nichts in deiner Beziehung als Frau mit einer anderen Frau?»

Diese Frage wird leider sehr oft gestellt. Leider deshalb, weil ich dann immer wieder merken muss, dass die Mehrheit unserer Gesellschaft starren Denkmustern unterliegt, in diesem Fall einem heteronormativen Denkmuster. Mit dieser Frage wird ebenfalls deutlich, dass Mann und Frau in einer Beziehung noch immer als “normal” angesehen werden und die Vorstellungskraft fehlt, dass eine Frau mit einer anderen Frau (oder ein Mann mit einem anderen Mann) genauso glücklich sein kann. Homosexualität ist keine Erfindung, sondern Realität – wenn diese Tatsache angenommen würde, würde sich auch die anfangs gestellte Frage erübrigen. An guten Tagen kann ich diese Frage annehmen und gebe mir Mühe, sie so ausführlich wie möglich zu beantworten. Je nach Verfassung kann mich diese Frage aber auch frustrieren, traurig oder wütend machen, denn wie bereits erwähnt wird mir dann wieder klar, dass meine Sexualität in diesem Land noch nicht den gleichen Stellenwert hat wie die Heterosexualität und dementsprechend auch nicht ernst genommen wird. Und wer möchte schon nicht ernst genommen werden, wenn er*sie etwas Persönliches preisgibt? Meine Antwort also: Nein, mir fehlt nichts in einer Beziehung mit einer Frau. Im Gegenteil, mir würde etwas fehlen, wenn ich in einer Beziehung mit einem Mann wäre.

Anonym, Barista

«Können Frauen überhaupt Sex miteinander haben?»

Ja können sie. Diese Frage wird spannenderweise in 99% der Fälle von Männern gestellt. Frauen stellen mir diese Frage praktisch nie. Das sollte als Antwort eigentlich ausreichen.

«Hast du es überhaupt schon einmal mit einem Mann probiert?»

Hast du? Ich glaube diese Frage kann sich jede*r selber beantworten. Man muss als Mann nicht zuerst mit einem Mann schlafen, um herauszufinden, dass man heterosexuell ist. Genauso wenig muss eine Frau zuerst mit einem Mann schlafen, um Gewissheit zu haben, dass sie lesbisch ist und für schwule Männer gilt dasselbe. Ausserdem schwingt mit dieser Frage die Unterstellung mit, dass man nicht genau weiss, was man tut und nicht Herr*in seiner Sinne ist. Diese Frage ist für mich ein absolutes No-Go.

Anonym, Barista

«Meinsch isch sie lesbisch / isch er schwul?»

Sei es im privaten Freundeskreis oder im Unternehmen, die sexuelle Orientierung darf keine Rolle spielen. Es macht mich traurig, wenn Menschen der LGBTQ+ Community zuerst das Betriebsklima abtasten müssen, bevor sie sich am Arbeitsplatz outen. Es liegt in der Verantwortung des Managements, aktiv eine Unternehmenskultur zu schaffen, in der sich lesbische/bisexuelle Frauen, schwule/bisexuelle Männer, Trans*personen und andere queere Menschen genauso wohlfühlen, wie cis-hetero Frauen und Männer jeglicher Herkunft, Nationalität, Hautfarbe und Religion. Respekt, Toleranz, Chancengleichheit sowie der Zugang zu formellen und informellen Informationen muss für alle gewährleistet sein. 

Reflektiere deine Denkmuster, dein Verhalten und deine Sprache. Überlege dir, welchen Beitrag du leisten kannst, um ein farbenfrohes, friedliches Betriebsklima zu schaffen. Jede*r Mitarbeiter*in muss sich in erster Linie sicher fühlen, um sich beruflich und persönlich entfalten zu können. 

Ramon, Geschäftsführer

Der Nationalrat hat soeben mit einem deutlichen JA der Ehe für alle zugestimmt. Wann steigt die Party? 

Diese Entscheidung ist für uns eine wohltuende Bestätigung. Endlich fühlen wir uns als schwules Paar vom Gesetz her gleich wahrgenommen und von der Gesellschaft mehr getragen. Die Form einer “gleichgeschlechtlichen Partnerschaft” war zwar ein wichtiger Schritt, verdeutlichte aber weiterhin, dass die Schweizer Gesellschaft uns queeren Menschen nicht dieselben Rechte zugesteht wie heterosexuellen Menschen. Uns wurde damit gesagt: “Ihr seid beinahe gleich, aber eben doch nicht ganz”. Das verletzt. Am stärksten getroffen fühlten wir uns dadurch, dass offensichtlich die Mehrheit der Meinung war, es sei nicht richtig, dass wir als Paar ein Kind adoptieren könnten. Die Tatsache, dass das Konzept einer Ehe für alle im Nationalrat nur so spät eine Mehrheit fand, beweist, dass offenbar noch immer viele Menschen im Land uns nicht gleichwertig sehen. Mit diesem Ja ist es nicht getan! Wir wollen und müssen weiterhin durch Dialog, Erziehung und positives Vorleben unsere Gesellschaftsnormen hinterfragen, herausfordern und damit weiterbringen.

Kurt, Verwaltungsratspräsident & Christian, CEO & Verwaltungsrat

“Mami, Papi, sind dä Kurt und dä Christian mitenand verhüratet?”

Nachdem wir mit der Familie und zusammen mit Kurt und Christian in der Vivi Kola Bar in Eglisau waren, haben uns die Kinder auf dem Nachhauseweg gefragt, ob Kurt und Christian ein Paar seien. Wir haben dies bejaht und ihnen erklärt, dass sich auch Männer und Männer oder Frauen und Frauen lieben können. Für die 4-jährigen Kinder war dies weder seltsam, noch haben sie weiter nachgefragt, sie haben die eindeutige Verbindung zwischen den beiden ja erlebt. Diese kleine Konversation mit den Kindern hat mich gerührt, weil wir den Kindern Toleranz, Respekt und Werte ganz simpel durch das Zusammensein mit lieben Freunden vermitteln konnten. Wenn sie älter sind, werden natürlich weitere Fragen zur Sexualität folgen, aber wir sind überzeugt, dass für Kinder der Umgang der Eltern mit Homosexualität stark prägend ist.

Benedikt, Verwaltungsrat, Vater von Drillingen

Bekenne Farbe und liebe wen du lieben willst. 

Happy Pride!
Dein ViCAFE

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