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7 Dezember 2014

Tansania Nord

2014

Ein Besuch in Ngila Coffee Estate, Blackburn Coffee Estate am Ngorongoro Krater und in der Taylor & Winch Trockenmühle in Moshi.
Die ersten Tage in Arusha, einer Stadt mit 800’000 Einwohnern am Fusse des Mount Meru, waren etwas frustrierend, da es relativ schwierig war, mit den Kaffeefarmen in Kontakt zu treten. Nicht zuletzt, weil wir zu spontan nach Besuchen fragten. Wegen starker Regenfälle in den letzten Wochen waren alle Nebenstrassen in einem sehr matschigen Zustand und daher wurde uns empfohlen, die Farmen nur mit einem 4×4-Fahrzeug anzusteuern. Die Suche nach einem solchen Fahrzeug kostete uns einen vollen Tag.

Wir konnten Kontakt zu zwei Kaffeefarmen knüpfen. Beide liegen auf etwa 1800 m, angrenzend an den Ngorongoro Crater, und gehören zu einem bekannten Tierreservat. Es war schwierig herauszufinden, wo auf der Karte sich die Plantagen genau befinden, und die Wegbeschreibungen der Kaffeebauern, die sie uns via Mobile mit miserabler Verbindung mitgeteilt hatten, klangen sehr abenteuerlich.
Zuerst besuchten wir Ngila Coffee Estate, eine 100 ha grosse Plantage im Besitz von einer Dame aus Deutschland. Das Logo der Farm ist ein Elefant unter einem Jakarandabaum und verrät auch schon eine Spezialität dieses Ortes: Nachts wird die Plantage regelmässig von Elefanten, Büffeln und anderen Tieren aus dem angrenzenden Urwald des Ngorongoro Craters besucht. Wie der Manager Frederick uns später mitteilte, erleidet die Unternehmung dadurch bis zu 40% Ernteverlust! Schon der Weg zum Bürogebäude war gesäumt von Kaffeebüschen, leider ohne Beeren – wir hatten die Ernte soeben verpasst.
Frederick, ein zuvorkommender, etwa 50-jähriger Kenianer, erwartete uns bereits und führte uns sofort durch die ganze Plantage und Verarbeitungsstätte, wo er uns alle Schritte der Verarbeitung der Bohnen erklärte. In Tansania wie auch Kenia wird der Kaffee meist im gewaschenen Verfahren verarbeitet: Die von Hand gepflückten Kaffeekirschen werden in einem “Pulper” zwischen zwei Stahlwalzen gequetscht und in offenen Bädern für etwa zwei Tage eingelegt. Das Fruchtfleisch der Kirschen löst sich so von den Bohnen. Die Bohnen werden anschliessend durch einen etwa 30 m langen Kanal geleitet, in dem sie gewaschen werden. Anschliessend werden die Bohnen auf Sieben auf Stelzen in der Sonne getrocknet. Die schlechten Bohnen werden in mühsamer Kleinarbeit von Hand aussortiert. Nach etwa zwei Wochen werden die Bohnen in Jutesäcke verpackt und an die “Drymill” nach Moshi verschickt.

Blackburn Estate war die zweite Farm, die wir besuchten. Wir kannten den Kaffee, weil wir vor etwa vier Jahren via einen Händler in London diesen Kaffee bezogen und geröstet hatten. Die Plantage liegt ziemlich abgelegen und zum Glück war der Matsch auf der Strasse bereits in der Sonne eingetrocknet, aber auch so war der Weg sehr “rumpelig“. Die Farm ist ebenfalls in deutschen Händen (Tansania war einst eine deutsche Kolonie). Michael und Tina Gherken haben die Farm, die in den Dreissigern gegründet wurde, vor über 30 Jahren gekauft und produzieren etwa 60 Tonnen Rohkaffee pro Jahr. Wir probierten einen fantastischen Kaffee mit einer sehr feinen Säure. Auch dieser Betrieb erleidet durch Wildtiere grosse Verluste. Die Elefanten werden mit kleinen Schwelbränden, in denen getrocknete Chilischoten verbrannt werden, in Schach gehalten. Die Tiere mögen den stechenden Geruch offenbar nicht. Blackburn liefert den Rohkaffee an die Trockenmühle Taylor & Winch in Moshi. Am nächsten Tag besuchten wir diese Trockenmühle und wurden vom Manager durch die Anlage geführt. Unser Gespräch mit ihm ergab, dass auch kleinere Mengen Rohkaffee direkt aus der Mühle bezogen werden können.

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