Kenia 2017

Kenia liegt mitten auf dem Äquator, durchzogen vom grossen afrikanischen Grabenbruch, der vor Jahrmillionen entstanden ist und sich um zwei Zentimeter pro Jahr ausweitet. Das Landschaftsbild ist geprägt von Savannen und Seengebieten, welche in ein zentrales und fruchtbares Hochland ansteigen. Genau an diesem Hochland waren wir interessiert, da dort die Bedingungen zum Gedeihen der tiefroten Kaffeekirsche besonders vorteilhaft sind. Nicht nur Kaffee gedeiht in dieser Eden-ähnlichen Flora. Kenia hat eine reiche Tee-Tradition, was sich in den zehnmal höheren Exportzahlen widerspiegelt. Kenianischer Kaffee ist besonders reich an Säure, wobei er gleichzeitig über eine natürliche Süsse verfügt. Sein kräftiges Aroma weist überwiegend fruchtige Noten auf, je nach Region mit einem Hauch von Zitrone oder Beeren. Insgesamt ist der Kaffee sehr harmonisch, weshalb ihn viele Enthusiasten zu ihren Lieblingssorten zählen. Vorbei an mächtigen Löwen, massivsten Baobab-Bäumen und quirligen Affen machten wir uns auf die Suche.

Wir verliessen die Metropole Nairobi nach Norden und überquerten im Geländewagen die dürftigen Strassen auf dem Weg ins saftig grüne Hochland. In der Region Kiambu wurden wir von den Vorstandsmitgliedern der Gititu Coffee Growers Society empfangen. Die elegant gekleideten Herren erzählten uns stolz von der wachsenden Institution, welche den lokalen Kaffeebauern den ersten Verarbeitungsschritt nach dem Pflücken organisiert. Uns wurde eine ihrer Wetmills vorgeführt, wobei dieser erste Schritt mit Sorgfalt ausgeführt wird. Hierbei wird das Fruchtfleisch oder auch Pulp mittels mechanisch kalibrierten Mahlscheiben entfernt. Die schleimigen Rückstände an den übrigbleibenden Kaffeebohnen werden darauf in grossen Tanks binnen 48 Stunden fermentiert und gewaschen. Die Gititu Coffee Growers Society hat 5500 Mitglieder, welche alle in einer Form dazu beitragen, dass die roten Kaffeekirschen zu einer ihrer acht Wetmills gelangen.

Während die gleissende Sonne immer steiler aufs Autodach schien, machten wir Halt bei der Saru Farm im südlicheren Teil der Region Kiambu. Aufgebaut wurde sie von Vater Samuel Njonjo mit Sohn Eliud. Es ist eine relativ kleine Farm mit einer Produktion von 35 Säcken Rohbohnen pro Jahr, was zehn Tonnen Kaffeekirschen entspricht. Während unserem Gespräch kreuzten wir uns mit Haustieren wie Kuh und Geiss, deren Bio-Gas mittels eigens gebauter Anlage gesammelt und zum Betreiben des Gasbrenners in der Küche verwendet wird. Mit Stolz erklärte Herr Njonjo, wie dies geschieht. Sein Sohn berichtete, wie in den Anfängen die Kaffeepflanzen nach dem damaligen Wissensstand angebaut und gepflegt wurden. Der bei der Gründung der Saru Farm dürftige Wissensstand hatte eine mittelprächtige Produktion zur Folge. Heute sind Vater und Sohn Njonjo stolze Besitzer einer wirtschaftlicheren, produktiveren und nachhaltigeren Farm, was ihnen und künftigen Generationen zugute kommt.

In vielen Gesprächen mit den Kleinbauern wurde uns erklärt, wie die Wetterveränderungen in den letzten Jahren deutlich vernommen werden. Regen- und Trockenzeit verschieben sich und beeinflussen so direkt die Blüte- und Erntesaison der Kaffeekirschen. Dies ist nur eine der Auswirkungen des Klimawandels, welche direkten Einfluss auf den Kaffeeanbau und -Export hat. In Kenia wird 70-80% des gesamten Kaffeehandels über die Kaffeebörse in Nairobi auktioniert. Die verbleibenden 20-30% werden direkt an Importeure oder Röster verkauft. Die Produzenten können selber entscheiden, ob der eigene Kaffee über die Börse oder Direktverkauf gehandelt wird. Wir sind sehr daran interessiert, persönliche Beziehungen zu den Kaffeebauern aufzubauen und die köstlichen Bohnen ohne Umwege in unsere Rösterei zu holen.