Tansania, Norden

Tansania, Norden November 2017

Am Fusse des Kilimanjiaro-Massivs streckt sich das Land knapp südlich des Äquators bis zum indischen Ozean. Das von rostroter Erde geprägte Erdreich repräsentiert den Mineralienreichtum, der dieser Boden aufweist. Die zahlreichen Vulkane sättigten in den letzten Jahrmillionen die Landschaft mit Mineralien aus dem Erdinnern. Diese Nährstoffe werden von den Kaffeebäumen dankend aufgenommen, um damit die Kaffeekirschen so unwiderstehlich zu machen. Der Reichtum beschränkt sich jedoch nicht nur auf die Landschaft. Mit 130 Ethnien und 125 gesprochenen Sprachen zeigt die kulturelle Fülle, welche dieses Land zu bieten hat.

Mitten in der Nacht verliessen wir Arusha und fuhren auf sandigen Strassen zu unserem ersten Halt, der Mondul Coffee Estate. Geweckt von fremdartigen balglauten aus blütenreichen Bäumen wurde uns klar gemacht, dass wir in Afrika angekommen sind. Nachdem wir uns mit lokalen Früchten und Kaffee gestärkt hatten, führte uns Dean Peterson, der Manager der Kaffeefarm, über die erste Plantage auf unserer Reise. Auf 1750 Meter über Meer ist es in den Morgenstunden auch in Afrika erstaunlich frisch. Die Kinder gehen auf der farmeigenen Schule in den Unterricht während die Eltern auf den Kaffeefeldern arbeiten. Alles ist sehr sauber und aufgeräumt und es wird überall konzentriert gearbeitet.

In den kommenden Tagen besuchten wir ausserdem die Farmen Kongoni, Ngila, Hights und «Tembo Tembo», was übersetzt Elefant bedeutet. Der Name hat durchaus seine Berechtigung, denn in Tansania ist es nicht ungewöhnlich, wenn sich Elefanten auf den Plantagen rumtreiben. Sei es auf der Suche nach den beliebten Bananen oder in der Trockenzeit nach Wasser, wofür sie gerne die mühsam verlegten Bewässerungssysteme ausgraben. Gerade rund um den Ngorogoro Krater, einem Naturschutz Reservat, verlieren die Kaffeefarmen im Schnitt 20-30% ihrer Ernte an Wildtiere, vor allem Elefanten und Büffel.  Beim Besuch einer uns altbekannten Farm, dem Ngorongoro Convent in Karatu, wurde uns von Hauptschwester Emelda erzählt, dass genau aus diesem Grund auf künstliche Bewässerung gänzlich verzichtet wird. Die von Nonnen geführte Farm liegt am Fusse des Kraters, einer riesigen, eingestürzten Vulkanebene, die einer Oase gleichkommt. Beim Rundgang durch die Kaffeefelder machte sie uns darauf aufmerksam, dass Ihre Kaffeebäume mit ihren tiefragenden Wurzeln den langen Trockenperioden trotzen können. Mittels Mulching, also dem Auflegen einer organischen Schutzschicht auf dem Erdreich, wird dem Boden zusätzlichen Schutz vor direkter Sonne geboten und vor Erosion geschützt.

In dieser Gegend ist der mineralhaltige Boden charakteristisch ausgeprägt, was sich im Aromaprofil der Kaffeebohnen in einer spritzigen Grapefruitnoten zeigt. Nebst der Bodenqualität und dem Mikroklima, spielt die Anbauhöhe der Kaffeebäume eine entscheidende Rolle. Je weiter über Meer der Kaffee wächst, umso weniger Kolendioxid steht der Kaffeekirsche zur Verfügung, was sie langsamer wachsen und die Aromen intensiver ausprägen lässt. Die Kaffeebauern wissen dies natürlich und runden darum bei der Höhenangabe der eigenen Anbaugebieten gerne auf.

Die grösste Herausforderung für einen Kaffeefarmer in Ostafrika stellt zurzeit der Klimawandel dar. In Tansania kämpfen sie unisono gegen Wassermangel und Bodenerosion. Die sengende Sonne über dem Afrikanischen Kontinent scheint erbarmungslos auf die schutzlosen Kaffeefelder. Die zunehmende Abholzung der Wälder lässt den gewohnten Morgennebel ausbleiben, wodurch die Belastung auf den trockenen Boden zunimmt. Dies führt zu einem Teufelskreis und endet schlussendlich in der Austrocknung des Regenwaldes. Ein Szenario mit weitreichenden Folgen.

Der Regen bleibt immer häufiger aus, was zu einer Wasserknappheit führt. Sprinklersysteme zur Bewässerung der Kaffeeplantagen sind mittlerweile zu ineffizient, weshalb jene die es vermögen, auf ein Tropfbewässerungssystem umsteigen, um möglichst schonend und gezielt mit den Wasserressourcen umgehen zu können.

Eine weitere Herausforderung ist die Landflucht. Immer mehr Leute suchen sich Arbeit in den urbanen Ballungszentren, weshalb es für die Kaffeefarmen zunehmend schwierig wird, genügend Arbeitskräfte zu finden. Diese Entwicklung treibt die operativen Kosten in die Höhe und verändert die wirtschaftliche Komponente der Kaffeeproduktion.

Aus diesem Grund ist es umso wichtiger, an unserer Sourcing Strategie festzuhalten und möglichst langfristige Partnerschaften anzustreben, um den Kaffeefarmern, schlussendlich dem schwächsten Glied entlang der Wertschöpfungskette, eine Perspektive und Planungssicherheit garantieren zu können.