Guatemala

Guatemala Februar 2016

Besuch der Kaffeeplantage Gustavo in Guatemala

Schon im Anflug begeisterten uns die Vulkangipfel von Guatemala, welche uns auch in den Folgetagen in der Ferne begleiteten. Trotz vielfacher Warnung vor den Strassen und dem Verkehr in Guatemala, fuhren wir munter los und stellten fest, dass es um den Verkehr gar nicht so schlecht steht. Wie sich später herausstellte, lag dies daran, dass es Sonntag war. Erstaunt waren wir über die Geschwindigkeit der oft sehr bunten Busse, welche links und rechts an uns vorbeirasten und uns in dichten Dieselwolken zurück liessen. Unser Ziel war die Kaffeeplantage von Gustavo nahe der mexikanischen Grenze, etwa 6 Stunden entfernt. Gustavo ist ein Kaffeebauer, der einst in Cape Town lebte, etwas völlig anderes arbeitete und auf irgendeine Weise mit unserem Freund Judd (Deluxe Coffee Works in Cape Town) in Kontakt kam. Judd reiste dann nach Guatemala und besuchte Gustavo, der sobeben die Kaffeefarm seines verstorbenen Vaters übernommen hatte und kaufte diesem einen Container Kaffee ab. Über Judd konnten wir Kontakt zu Gustavo aufnehmen, der sich überaus freute, dass wir es wagten in seine Region zu fahren, um seine Farm zu besichtigen. Es war kalt, wir sassen frierend im Auto. Die Fahrt nach Huehuetenango verlief reibungslos. Es ging vorbei an Vulkanbergen und durch Föhrenwälder, wie wir später erfuhren in Höhen bis zu 3000 Metern über Meer. Nach etlichen brutalen Strassenschwellen, welche uns ein schnelleres Fahren verunmöglichten, kamen wir schliesslich auf Gustavos Farm in Santa Rosa – Buenos Aires an.
Wir wurden von allen Menschen, welchen wir auf der Farm in den nächsten Stunden begegneten, sehr herzlich empfangen. Gustavo erklärte uns seine Idee von einer ganzheitlich betriebenen Farm, auf der neben dem Kaffee auch das Wohl der Natur und der Mitarbeiter berücksichtigt wird. Insbesondere die Wertschätzung der Leistung jedes einzelnen Angestellten liegt Gustavo am Herzen. Gustavo gab uns die Möglichkeit, alles zu sehen und zu erleben, was die Produktion von Rohbohnen betraf: Kaffeeabfälle, Waschvorgänge, Trocknung, Fermentation, Sortierungen und natürlich die Arbeiter, welche er immer sehr herzlich begrüsste und uns gegenseitig mit Namen vorstellte. Gustavo betonte mehrfach, dass nicht er es sei, der den Kaffee produziere, sondern seine Arbeiter.
Im Anschluss führte uns Gustavo durch seine Farm. Sie liegt an einem Hang eines sehr steilen Berges zwischen 1200m und 2000m über Meer. Gleich zu Beginn zeigte er uns eine Stelle, welche er zugunsten seltener Monarch-Schmetterlingen unberührt gelassen hatte. Dies als Beispiel für sein naturbezogenes Konzept des Kaffeeanbaus. Nun folgten viele Kurven und holprige Wege durch tausende von Kaffeebäumen. Bei verschiedenen kurzen Stopps zeigte uns Gustavo die Schwierigkeiten des Kaffeeanbaus, u.a. die Problematik und Auswirkung der Pilzkrankheit „Rost“, welche die Pflanzen zerstört und nur durch eine Behandlung mit Pestiziden bekämpft werden kann (später in Honduras lernten wir, dass man auch biologische Mittel verwenden könnte). Wegen einem ungewöhnlich feuchten Klima, ausgelöst durch das Wetterphänomen El Ninio, ist der Rost für die Kaffeebauern in Guatemala derzeit ein sehr gravierendes Problem. Enorme Ernteausfälle sind die Folge.

Zu Fuss stiegen wir schliesslich bis zum höchsten Punkt der Farm und zu den Kaffeepflanzen, welche auf fast 2000m wachsen. Auf dieser Höhe hat Gustavo mit Hilfe von Alfonso in den letzten Jahren begonnen kleinste Lot-Kaffee’s mit seltenen, für Guatemala untypischen Varietäten zu kultivieren. Um diese vor dem Rost zu schützen liess er jeweils einen 100m breiten wilden Waldstreifen zwischen der unteren und oberen Plantage stehen. Er verfolgt damit das Ziel, dass ein Röster einen solchen Lot fix für mehre Jahre kauft (Patenschaft) und diesen auch als den Seinigen betrachten darf und ihn mit seinem Namen auf einer Tafel am Rande beschriften kann.
Gustavo möchte dadurch langjährige Beziehungen zu Kunden aufbauen und vom schnelllebigen Kaffeegeschäft wegkommen.
Die Lot-Kaffee’s, welche er bereits verkaufen konnte, erzielten bei internationalen Ratings Top-Bewertungen (Cup of Excellence: 89 Punkte!).
Gustavos Liebe zur Natur, seine Nähe zu seinen Mitarbeitern und seine Begeisterung für den Kaffee war für uns sehr faszinierend. Die Tour endete auf einem Felsen hoch über dem Tal. Von diesem „Adlerhorst“ aus war in der ferne Mexiko sichtbar.