Guatemala

Guatemala Februar 2018

Guatemala liegt im geographischen Mittelpunkt des amerikanischen Doppelkontinents und bietet somit ein sehr konstantes und tropisches Klima.

Kaum angekommen wurde uns klar wieso sich der Name des Landes aus „Land der Bäume“ abgeleitet hat: Öfters machten wir halt, um die wunderschönen grünen Panoramen mit den imposanten Vulkanen im Hintergrund zu bewundern.

 

Doch wir sind nicht auf der Jagd nach Fotomotiven, sondern auf der Suche nach einem Ersatz von einem Bestandteil unserer Hausmischung und einem Spezialitäten Kaffee.

 

Dieser neue Kaffee soll sich in unserer Hausmischung bewähren. Wir liessen uns dafür von unserer Kollegin Gloria Pedroza und dem lokalen Kaffeehändler Julio beraten. Sie begleiteten uns auf der ganzen Reise und führten uns zielgerichtet zu passenden Farmen. Zudem durften wir von Ihrem enormen Fachwissen profitieren.

 

Die Reise führte uns um den auf 1500 m. ü. Meer gelegenen Atitlán See, westlich der Hauptstadt Guatemala City. Bereits auf unserer ersten Plantage wurden wir Zeugen, wie nahtlos der Betrieb mit der gesamten Umgebung verschmolzen ist. Dabei wurde großen Wert auf die Umwelt und die Mitarbeiter gelegt.

 

Da wir das Land während der Erntezeit besuchten, wurden wir mit einem unglaublichen Farbenspiel in den Kaffeeplantagen belohnt. Die 1,5m – 2m hohen Kaffeebäume waren mit prallen Beeren bestückt, die von limonengrün bis weinrot alle Farben abdeckten.

 

Es wurde uns wieder vor Auge geführt wie wichtig es ist, die Farmen persönlich zu besuchen um sich ein Bild zu machen, wie die Arbeiten auf der Farm zugehen. Die Unterschiede sind wie Tag und Nacht. Manche Farmen setzen auf moderne Methoden und versuchen mit neuen Systemen und Hilfsmittel die Ernte und Qualität zu steigern, andere bleiben den Traditionen treu und möchten so wenig wie möglich in die Natur eingreifen.

 

Sehr beeindruckt waren wir von der Farm „San Jeronimo“ die von der Bressani Familie in vierter Generation geleitet wird. Die Plantage liegt am südöstlichen Hang des perfekt geformten Atitlan Vulkans. Nebst vorzüglichem Kaffee produziert der Betrieb auch Milchprodukte. Insgesamt leben 80 Familien auf dem Plantagengelände. Nebst den Fabrikgebäuden und der Arbeitersiedlung gibt es eine Schule und einen Spielplatz für die Kinder sowie eine kleine Kirche. Der gesamte Strom der Fabrik und der Kommune wird mit Hilfe vom eigenen Wasserkraftwerken generiert.

 

Wir wurden mit einer Kaffee Cupping-Session überrascht und waren vom enormen Know-How der Familie beindruckt.  Dabei lernten wird Giorgio, den jungen, hoch motivierten Sohn der Bressani Familie, kennen. Im Gespräch mit ihm und dem Farmmanager gewannen wir ein rundes Bild des Betriebes. Uns wurde klar, dass der Grund für diesen hervorragenden Kaffee die Vision einer gesamtheitlichen, traditionellen Farm mit grosser Neugier für Trends im Kaffeegeschäft ist. Die Farm war sauber und wirkte sehr organisiert. Die Mitarbeiter schienen über ein grosses Kaffeewissen zu verfügen und man hatte das Gefühl, dass alle stetig ein sanftes Lächeln im Gesicht trugen.

 

Eine der grössten Herausforderung für viele Kaffeebauern in Guatemala ist die Pilzkrankheit „Roya“. Diese befällt die Kaffeepflanzen und führt zu Laubabwurf. Guatemala wurde erst vor einigen Jahren von der Krankheit getroffen und so wurden viele Bauern auf kaltem Fuß erwischt, als 2012 ganze Plantagen zerstört wurden. Danach haben viele Farmen nach neuen Mitteln gesucht, um sich besser vor dem Pilz zu schützen. Nebst diversen hochwirksamen chemischen Spritzmitteln hat sich auch die Zucht von Roya-resistenten Varietäten bewährt. Auf einigen Plantagen wurden Kaffeesträucher isoliert welche den Pilzbefall überlebt haben und mit diesen resistenten Pflanzen wurde weitergezüchtet.

 

Es ist beeindruckend wie viel Handarbeit in der Kaffeeproduktion steckt: Das Ziehen von kleinen Kaffeepflanzen, die Produktion von Kompost, das Düngen und Spritzen, die Bewässerung der Plantage und das Pflücken der reifen Kaffeekirschen. Die Kaffeekirschen müssen gequetscht, fermentiert, gewaschen und auf den Patios oder in Öfen kontrolliert getrocknet werden. Dann wird sortiert, verpackt und geladen. Bei jedem Arbeitsschritt sind unzählige Hände am Werk und leisten Unglaubliches.

 

Da die „Third Wave“ Bewegung nun auch Guatemala erreicht hat, verändert sich das Verhalten und das Bewusstsein der Kaffeebauern. Immer mehr Röstereien und Kaffee Konsumenten suchen den direkten Kontakt mit den Produzenten und somit findet ein wertvoller Dialog statt, der bisher kaum vorhanden war. Die positive Folge davon ist, dass immer mehr Bauern und Kooperativen sich dem Wert ihres Produktes bewusstwerden und nach neuen Wegen suchen, die Qualität zu steigern und neue Produktionsmethoden anzuwenden. Für uns wurde deutlich, wie wertvoll der Kontakt zu den Produzenten in den Ursprungsländern ist. Nur so können wir langfristige Beziehungen mit den Kaffeebauern aufbauen und ihnen mit fairen Preisen eine gewisse Planungssicherheit bieten.