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Mondul: Kaffee & Community

Mondul Coffee Estate ist eine Kaffeefarm im Norden Tansanias, welche uns am Herzen liegt.

Mondul: Kaffee & Community

Mondul Coffee Estate ist eine Kaffeefarm im Norden Tansanias, welche uns am Herzen liegt.
Map Tanzania

Was Bananen und Bohnen mit Kaffee zu tun haben

Bevor wir uns der Kaffeefarm widmen, wollen wir einen kurzen Flug über das Kaffeeland Tansania wagen: Wer an Tansania denkt, denkt in erster Linie an mehr oder weniger abenteuerliche Safari-Reisen in der weiten Serengeti oder den Kilimanjaro, der höchste Berg Afrikas. Fast 23 Mal hätte die Schweiz im ostafrikanischen Land Platz. Und diese enorme Grösse widerspiegelt sich auch im Kaffee, der in diesem Land produziert wird: 

In den Regionen rund um Arusha und den Ngorongoro Krater, in Mbeya und Mbinga sowie in Kigoma wächst mehrheitlich Arabica. Während im Süden des Landes mehrheitlich Kleinbauern Kaffee kultivieren, gibt es im Norden auch grössere Kaffeefarmen. An der Grenze zu Uganda, westlich vom Lake Victoria, ist Robusta zu finden, der vor allem in Italien Liebhaber findet. Besucht man Kaffeebauern in Tansania lohnt es sich, den lokalen Bananen- und Bohnenpreis zu kennen. Diese beiden Produkte werden oftmals mit Kaffee angebaut und haben einen direkten Einfluss auf die Kaffeeproduktion: So nimmt die Kaffeequalität eher ab, wenn der Bananenpreis an der Küste hoch ist, da der Schatten der Bananenblätter die Entwicklung der Kaffeekirschen behindert.

Verlässt man Arusha im Westen auf der A104 in Richtung Serengeti und biegt nach Kisongo Richtung Norden ab, trifft man auf eine staubige Piste, welche bereits für die Tansanischen Rally-Meisterschaften verwendet wurde. Diese bringt einen nach rund elf Kilometern an ein altes Portal, auf welchem zu lesen ist: Mondul Coffee Estate – Est. 1931. Dahinter verbirgt sich, trotz der langen Geschichte, eine der modernsten Kaffeefarmen Tansanias. Auf einer Höhe von 1’650 bis 1’750 m ü M wird auf 255 Hektaren Kaffee angebaut – rund die Hälfte der Gesamtfläche. ViCAFE führt seit 2018 eine partnerschaftliche Beziehung mit Mondul und den Menschen, deren Leben eng mit der Farm verbunden ist.

 

Langer Weg bis zur Tasse

Zuerst zum Kaffee. Bis wir hier in der Schweiz einen Schluck Mondul-Kaffee geniessen können, fällt viel Arbeit an. Auf der Farm werden mehrheitlich gewaschene Kaffees produziert. Nach dem Pflücken der roten Kaffeekirschen wird deren Fruchtfleisch entfernt und für rund 36 Stunden in grossen Becken fermentiert. Im Gegensatz zu ihren nördlichen Nachbarn in Kenia, wird der Kaffee hier nicht unter Wasser fermentiert. Eine Diskussion zu diesem Thema sollte man sich in Ostafrika nicht entgehen lassen :-). Die Bohnen werden anschliessend in einem langen Kanal gewaschen und nach Dichte sortiert. Schwere Bohnen werden weniger weit vom Wasser getragen. Danach werden die Bohnen auf afrikanischen Trockenbetten auf rund 11.5% getrocknet.

Die Grösse und Professionalität erlaubt der Farm ein eigenes Qualitätslabor zu betreiben. Edwin, Q Grader aus Kenia, überprüft dabei die Qualität jeder Tagesernte und entscheidet, welche Kaffees miteinander kombiniert werden und in der Mühle in Moshi, am Fusse des Kilimanjaro, für den Export vorbereitet werden können. Dies ermöglicht Transparenz und einen fortlaufenden Dialog über die Kaffeequalität. Oder in den Worten von Edwin “Wir verkaufen den Röstern eine Tasse und nicht nur die Rohbohnen”. Für ViCAFE hat die Tasse dieses Jahr Noten von Pistazien, Pflaume und Orangenzeste. Kein aufdringlicher Kaffee, aber die feine afrikanische Note ist unverkennbar.

Windschutz durch Schattenbäume

Mondul befindet sich seit 2007 in einem fortwährenden Erneuerungsprozess. Damals wurde die Farm von einer italienischen Familie übernommen. Während die alten Kaffeebäume immer noch das Rückgrat der Farm bilden, wurden einige neue Felder angelegt. Da die Farm starken Winden ausgesetzt ist, liegt ein Hauptaugenmerk auf dem Anpflanzen von grösseren, lokalen Bäumen, welche den Wind von den Kaffeepflanzen fernhalten und diesen Schatten spenden. Jedes Jahr kommen so zwischen 25’000 und 30’000 Bäume auf Mondul. Diese Bäume stabilisieren den Boden und kreieren ein feuchteres und kühleres Mikroklima in den Kaffeefeldern, welches sich wiederum positiv auf die Entwicklung der Kaffeebohnen auswirkt. Die Wichtigkeit dieser Bäume kann, in einer durch die Viehwirtschaft arg in Mitleidenschaft gezogene Region kaum überschätzt werden.

Menschen auf der Farm

Wer lebt und arbeitet auf der Farm? Eine Kaffeefarm wie Mondul ist auf die Mithilfe vieler Menschen angewiesen. Während auf den fast unendlichen Farmen Brasiliens die Maschinen das Sagen haben, wird hier noch fast jeder Arbeitsschritt manuell getätigt. Auf der Farm arbeiten 150 Mitarbeitende, wovon etwa zwei Drittel auch dort leben. Während der Haupterntezeit im August werden zusätzliche Saisonarbeiter*innen aus der Umgebung eingestellt. Bis zu 600 Pflücker*innen arbeiten in Feldern, um die reifen Kaffeekirschen zu ernten. Es ist jedes Jahr eine Herausforderung genügend Leute hierfür zu finden. Da die Erntezeit des Kaffee mit derjenigen von anderen Erzeugnissen korreliert, ist nicht immer die Kaffeefarm der attraktivste Arbeitgeber. 

Das Zusammenleben mit den Gemeinschaften, welche in der Nähe leben, ist enorm wichtig. Es besteht ein reger Austausch: Während die Farm Brennholz zur Verfügung stellt, kriegt sie im Austausch den organischen Dünger, welche die Tiere der Massai, ein lokales Hirtenvolk, produzieren. Damit wird wiederum die Hummusschicht auf der Farm gestärkt. Der Einsatz von Dünger kann so minimiert werden.  

 

Eine ebenso enge Beziehung besteht zu den Mitarbeitenden. Seit letztem Jahr verwalten diese gemeinschaftlich 119 Hektaren der Farm, auf welchen sie Weizen, Bohnen oder Linsen anbauen. Neben der kleinen Krankenstation, dem Kindergarten und der Primarschule, ist vor allem das Fussballteam ein grosser Stolz. Jeden Sonntag empfängt das Team Mannschaften aus der Region. Zwischen Kaffeebäumen werden packende Spiele ausgetragen, welche gleichzeitig ein gesellschaftliches Highlight sind! 

Wir haben mittlerweile einige Kaffeefarmen besucht. Mondul überrascht uns immer wieder durch dem Zusammenhalt auf der Farm. Trotz der relativen Grösse besteht ein herzliches und intimes Zusammenleben. Wir wollen Teil des ständigen Erneuerungsprozesses sein, und freuen uns auf eine engere Zusammenarbeit. Wir haben für kommende Ernten so einiges geplant. 

Wollt ihr mehr über die Farm erfahren? European Coffee Trip hat einen kurzen Film über die Kaffeefarm produziert. Ein besonderes Vergnügen, wenn man dazu an einer Tasse Mondul Kaffee nippt (am besten als French Press gebrüht).