coffee farmer turning coffee on patio in guatemala

«Quauhtemalan» – Land der Bäume

In Guatemala wird fast überall Kaffee produziert. Vulkane, Regenwälder, Hoch- und Tiefebenen widerspiegeln sich im Charakter der verschiedenen Kaffees. Das Land hat aber auch mit grossen Herausforderungen zu kämpfen.

Der zentralamerikanische Staat ist geprägt von dichten Regenwäldern. Rund 35 Prozent der gesamten Landesfläche besteht aus Wald, weshalb die Maya, die indigene Bevölkerung Guatemalas, «Quauhtemalan» auch das Land der Bäume nannten. Mehr als 270’000 Hektar der gesamten Landesfläche werden für Kaffee-Anbau genutzt, rund 43’000 Tonnen wurden 2019 in die EU exportiert. Durch die unterschiedlichen Klimazonen sowie die extrem fruchtbaren Vulkanböden, entfalten sich in den Bohnen viele verschiedene Aromen und Geschmäcker, die je nach Region von fruchtig-zitrisch bis süss-nussig reichen.

Kaffee hat in Guatemala einen sehr hohen Stellenwert, sowohl wirtschaftlich als auch sozial. Gloria Pedroza, Head of Neumann Kaffee Gruppe (NKG) Quality Service und selbst Guatemaltekin, erzählt uns, dass man in Guatemala schon seit fast 200 Jahren hochqualitativen Kaffee herstellt. Die konstant gute Qualität ist vor allem der sorgfältigen Aufbereitungsmethode zu verdanken.

Guatemala produziert überwiegend gewaschene Arabicas, welche von Hand gepflückt, bis zu 36 Stunden fermentiert und dann in der Sonne oder einem Trommeltrockner getrocknet werden. Im Südwesten gedeihen auf niedriger Höhe auch kleine Mengen Robusta. 98% der Kleinbauern wirtschaften auf einer Anbaufläche von etwa zwei bis drei Hektaren. Dieses feinmaschige Netz von Bauern vereinfacht die Verarbeitung und Qualitätskontrolle.

Die sinkenden Weltmarktpreise führen dazu, dass die Kleinbauern Guatemalas nicht mehr kostendeckend Kaffee anbauen können. Viele fürchten um ihre Existenz. Gloria schildert, dass Kaffee bis vor zirka 20 Jahren, neben der Textilindustrie und dem Tourismus, eine der wichtigsten Einnahmequellen Guatemalas war. Fast 30% der Einnahmen des Landes waren dem Kaffee zu verdanken. Weil die Produktionskosten in Guatemala im Moment höher sind als in anderen zentralamerikanischen Staaten, weichen viele Abnehmer auf kostengünstigere aber qualitativ vergleichbare Alternativen aus. Während die Mehrheit der Kaffeebauern darunter leidet und viele junge Farmer im Ausland nach einer stabileren Zukunft suchen, geniessen Specialty Coffees aus Guatemala grosses Ansehen. Die Besten erzielen trotz Krise gute Preise – dies betrifft aber nur einen kleinen Anteil des produzierten Kaffees.

Auch Guatemala bleibt von der Klimaerwärmung nicht verschont. Durch den Temperaturanstieg reifen in gewissen Regionen die Kaffeekirschen schneller, worauf der gesamte Prozess der Aufbereitung verkürzt wird. Es müssen zunehmend neue Methoden getestet werden. Im Fokus steht insbesondere die ungewaschene Aufbereitung, welche weniger Wasser benötigt und eher fruchtige Tassenprofile hervorbringt.

Tiefe Preise und die Folgen der Klimaerwärmung führen zu einem Mangel an Ressourcen. So sind die Bauern nicht mehr in der Lage genügend Düngemittel zu kaufen oder Arbeiter zu bezahlen, welche rechtzeitig die Kirschen pflücken. Darunter leidet die Qualität. Es führt aber auch zu einem Umdenken und einige Akteure haben realisiert, dass innovative Verfahren helfen können, neue Qualitäten zu entwickeln, welche sich gut verkaufen lassen und ressourcenschonender verarbeitet werden können. So entwickeln sich langsam neue Standards. Gloria sieht gerade bei Robusta noch viel Potential.